8. März Weltfrauentag – Ein Feiertag der Emanzipation

Die Woche geht zu Ende, geschafft. Millionen berufstätiger Menschen freuen sich auf ein unterhaltsames, erholsames, erfreuliches, lebendiges Wochenende

im Kreise ihrer Lieben oder auch für sich allein,
mit aufregenden Ausflügen, spaßigen Treffen oder besinnlichem zur Ruhe kommen,
mit Sport, Kultur, Geselligkeit oder Natur, Musik, Literatur, Wellness.

Riesig ist die Auswahl an Möglichkeiten, und die Chance, für sich selbst etwas Passendes zu finden und zu erleben ist entsprechend groß für jeden Mann, jedes Kind, jede Frau.

Und so riesig und zahllos die Auswahl der Freizeitgestaltungen ist, so beständig und sicher gehört eine stillschweigende Übereinkunft dazu:

♦ Alle Frauen und Männer dürfen selbst entscheiden, was sie oder er unternehmen möchten.

♦ Alle Frauen und Männer dürfen dieselben Hobbys haben, denselben Beschäftigungen nachgehen, dasselbe Anrecht auf freie Rede, freie Bewegung, freien Aufenthalt in Anspruch nehmen.

♦ Alle Frauen und Männer dürfen selbst entscheiden, welche Kleidung sie tragen möchten, welches Fortbewegungsmittel sie nutzen wollen, welcher Interessensgruppe sie sich anschließen wollen.

Undsoweiter, undsoweiter, undsoweiter.

Kurz: Frauen und Männer sind gleichberechtigt.

Was wir heute in vielen europäischen und amerikanischen Ländern gern für selbstverständlich halten, ist das derzeit gültige Ergebnis von jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelangen energischen Auseinandersetzungen.

Auseinandersetzungen, die auch – oder gerade – dann ausgefochten werden mussten und müssen, wenn die Gesetze die Gleichberechtigung quasi garantieren,
die Wirklichkeit aber ein ganz anderes Bild zeichnet.

Hast du zum Beispiel gewusst,

dass in der Bundesrepublik Deutschland trotz Gleichberechtigungsparagrafen 3 im Grundgesetz  (hier der Wortlaut)

  • Frauen bis 1962 ohne Zustimmung des Ehemannes kein eigenes Bankkonto eröffnen durften;
  • verheiratete (!) Frauen erst ab 1969 als geschäftsfähig galten, also selbständig Verträge abschließen durften;
  • Frauen bis 1977 gesetzlich zur Führung des Haushaltes verpflichtet waren;
  • Frauen bis 1977 nur einen Beruf ergreifen durften, wenn dies „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war, was im Einzelfall die ausdrückliche Erlaubnis des Ehemanns verlangte;
  • Ehemänner bis 1957 die Arbeitsverträge ihrer berufstätigen Frauen ohne Angabe von Gründen kündigen durften;

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  • bis in die 60er Jahre hinein der Ehemann und Familienvater ganz offiziell allein das Sagen in Haushalts- und Erziehungsfragen hatte, auch wenn die Frau üblicherweise alle Arbeiten ausführte und für Kinder und Küche zuständig war.

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  • in 1966 der Bundesgerichtshof die Pflicht zum „ehelichen Beischlaf“ (offen gesagt: zum Sex in der Ehe), mit einem Urteil verstärkte, wobei sogar die klaglose Erduldung einer einseitig geforderten Zusammenkunft als eheliche Rücksichtnahme auf den Partner gedeutet und verlangt wurde. Also offen gesagt: Ein Urteil, das Vergewaltigung in der Ehe nicht als Gewalttat verurteilte, sondern im Gegenteil als Inanspruchnahme ehelicher Ansprüche prägte. Das Urteil bestätigte eine jahrhundertealte, kirchlich und machtpolitisch geprägte Unterdrückung der Frau.
  • seit 1997 (!) in Deutschland erzwungener Beischlaf in der Ehe als Vergewaltigung anerkannt ist und als Straftat gilt. (Ein Blick in Nachbarländer: Strafbar seit 1992 in der Schweiz, seit 1989 in Österreich)

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Diese Liste ließe sich noch kilometer weit fortsetzen, was ich weder dir, liebe/r Leser/in, noch mir antun möchte. Außerdem haben sich mit diesem Thema bereits so viele engagierte Menschen beschäftigt und darüber Informationen ausgegeben, dass ich hier an dieser Stelle lieber dem riesigen Informationsdschungel worlwideweb ein Loblied singen möchte, wo jede/r bei Interesse eifrig und kurzweilig nach Informationsblumen suchen und sie normalerweise auch finden kann. Ich wollte mit der Liste vor allem einige Punkte herausstellen, die mir besonders wichtig sind.

Am Abschluss dieses Beitrags gibt es mehrere Links zu Websites, die das Thema Frauenpower ebenso interessant wie unterhaltsam präsentieren.

Warum habe ich nun also einen Beitrag über den Weltfrauentag geschrieben?
Und warum taucht der Weltfrauentag selbst im ganzen Beitrag überhaupt nicht auf?

Antwort:

Der Internationale Weltfrauentag 8. März hat mich in diesem Jahr wieder einmal daran erinnert, wie außergewöhnlich doch viele scheinbar selbstverständliche Freiheiten sind, die wir Bewohner/innen in vielen europäischen und amerikanischen Ländern so gern genießen und nutzen. Und ebenso hat mich dieser Feiertag (GeDENKtag?) erneut darauf gebracht, wie viele Freiheiten im Land vor allem auf die energischen Widerstandskämpfe von einzelnen Frauen und Frauenbewegungen zurückgehen oder von ihnen positiv verstärkt wurden. Wie viele andere Widerstandsbewegungen wären womöglich ohne die seit dem 19. Jahrhundert aktive Frauenbewegung nie entstanden oder hätten weniger Schlagkraft entwickelt? Wie vielen Gruppen konnte die Frauenbewegung ein Vorbild sein?

Könnten Männer heute ganz selbstverständlich als Hobbykoch oder Hausmann auftreten, Elternzeit antreten oder Kindergärtner werden – wenn die Frauen nicht für ihre Unabhängigkeit gekämpft hätten?

Wäre die Prügelstrafe gegen Frauen und Kinder heute noch ein anerkanntes oder geduldetes Maßregelungswerkzeug, wenn Frauen nie für ihre Unabhängigkeit gekämpft hätten?

Wie sehr konnte vermutlich die Anerkennungsarbeit der Lesben- und Schwulenbewegung dadurch gestärkt werden, dass die Anstrengungen der Frauenbewegung bereits an vielen Traditionen gerüttelt hatten?

Undsoweiter, undsoweiter, undsoweiter.

Der Weltfrauentag als ein GeDENKtag, der bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein fester Begriff ist, hat mich also angespornt, einige meiner Überlegungen, Ansichten und Überzeugungen zu staatlich garantierter GLEICHBERECHTIGUNG zwischen Mann und Frau im Kontext ihrer geschichtlichen Entwicklung und Umsetzung (in BRD) als Aufsatz in Worte zu fassen – und mit der Veröffentlichung möglicherweise auch dem einen oder der anderen Leser/in die weitere Beschäftigung mit diesem scheinbar so normalen Zustand schmackhaft machen zu können.

Der Weltfrauentag selbst ist hier also gar nicht das Thema, sondern der Anstoß. Natürlich kannst du ihn ja bei deinen eigenen Recherchen jederzeit selbst zum Thema machen! ☺

Und jetzt wünsche ich dir hier zum Abschluss aus vollem Herzen viel Freude beim Anschauen und Anhören von Frauenpower in Musik, Film und Text:

Frauenpower, unterhaltsam und interessant:

♦ US-Musikerin Jennifer Lopez, 2016:      I Ain’t Your Mama!
Mitreißende Musik, einfallsreiche Szenen und stark auftretende Frauen.
Das Musikvideo lädt ein zum Tanzen, Feiern und der eigenen Stärke vertrauen.

♦ Britische Sozialkomödie mit wahrem Hintergrund, 2010:      We Want Sex!
1968 fordern die Näherinnen eines Ford-Werkes im britischen Dagenham
gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie ihre männlichen Kollegen. Zunächst erfolglos, führt ihr energischer Kampf in 1970 zum Equal Pay Act, der gleichen Lohn für gleiche Arbeit festlegen soll.

♦ Frauenproteste in der BRD leben 1968 auf:
Ein Tomatenwurf und seine Folgen

♦ Die Erfolge der deutschen Frauenbewegung in BRD ab 1971:
35 Jahre Frauenbewegung – Die Chronik der Erfolge von 1971 bis 2007

♦ Ein Überblick:    Kampf für Gleichberechtigung in der BRD

♦ Ein Einblick:       Frauenarbeit und -berufstätigkeit

♦ Eine Chronik der deutschen Frauenbewegung seit 1848:
Frauenbewegung in Deutschland

Ich wünsche dir, liebe Leserin, lieber Leser

Alles Gute! Glaub an dich!

Beste Grüße, deine Nicole

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